Bargeldlos in Schweden

Swish

Ich, Anna, eine der Bewohnerinnen der Smart WG, habe in der vergangenen Woche von einem großen Privileg der Digital Natives Gebrauch gemacht: Wir können von überall aus arbeiten – vorausgesetzt, das W-LAN funktioniert. So bin ich mit Freunden erstmalig eine Woche nach Schweden, genauer gesagt in das Provinzörtchen Orsa gereist.

Schon am Flughafen in Stockholm wurde der Umgang mit bargeldlosen Zahlungsmitteln deutlich, der sich doch stark von Deutschland unterscheidet. Im Café war es nicht möglich, einen Becher Kaffee mit Banknoten oder Münzen der Schwedischen Krone zu zahlen. Der Barista kommentierte nur: „Bargeld nehmen wir schon seit über einem Jahr nicht mehr an.“

Auch das Abholen der bereits gebuchten Mietwagen stellte meine Gruppe vor ein zuvor nicht bekanntes Problem. Jeder eingetragene Fahrer (nicht nur die Person, die die Buchung in Auftrag gegeben hatte) musste laut der Autovermietung über eine Kreditkarte verfügen. Von zehn Reisenden hatten immerhin vier eine eigene Kreditkarte dabei. Ausreichend Fahrer gab es also für beide Wagen. Dennoch zeigt diese Situation, wie selbstverständlich der Besitz einer eigenen Kreditkarte in Schweden ist. Eine Statistik der Deutschen Bundesbank von 2015 zeigt: Hierzulande werden nur rund vier Prozent des gesamten Umsatzes mit dem Zahlungsinstrument Kreditkarte getätigt. Die Zahlung mit Bargeld wird von knapp 53 Prozent der Deutschen nach wie vor präferiert.

So scheint es schon fast selbstverständlich, dass die Schweden das Einkaufen im Supermarkt fast ausschließlich per Kartenzahlung oder mit der App „Swish“, die jeder mit einem schwedischen Bankkonto auf sein Smartphone laden kann, abwickeln. „Just swish it to me!“ ist ein Satz, der unter Jüngeren besonders häufig fällt, wie eine schwedische Studentin berichtet. Es sei in größeren Städten sogar möglich, Obdachlosen eine Spende via „Swish“ zukommen zu lassen.

Der Eindruck, dass Schweden das Bargeld nach und nach komplett abschafft, bestätigte sich während der gesamten Woche immer wieder. Auch in kleineren Orten ist das Zahlen mit Münzen oder Scheinen eher unüblich. So kommt es, dass ich nach einer Woche in Schweden, nicht weiß, wie die Banknoten der Schwedischen Krone aussehen und auch nicht einmal eine Münze im Portemonnaie hatte.

Datenschützer dürften diese Entwicklung als kritisch betrachten. Immerhin birgt der Verzicht auf Bargeld auch immer das Risiko, dass persönliche Daten ausspioniert werden. Aus Sicht eines Urlaubers ist die Zahlung per Giro- oder Kreditkarte mehr als praktisch. So kann lästiges Umtauschen der Währungen vermieden werden und durch die universelle Zahlung per Karte oder App entfällt auch das Minimum des Kartenumsatzes von fünf oder zehn Euro, welches In Deutschland von vielen Händlern verlangt wird. Ein ungewohnter Aspekt bleibt jedoch : Dadurch, dass ich das Geld nie wirklich in den Händen gehalten habe, fehlte mir das Bewusstsein dafür, wieviel Budget ich bereits ausgegeben hatte.

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